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Auslandspraxisphase in England

Moin und Willkommen zu meinem Blogbericht!
Kurz zu meiner Person: ich heiße Matthieu, 22, gebürtiger Hamburger und schließe dieses Jahr mein duales Studium im Bereich Internationaler Handel im Verbund mit der DHBW Campus Mosbach und der Lidl Stiftung & Co.KG ab.

In diesem Blogbeitrag möchte ich Dir einen Überblick über meine von Erasmus geförderte Praxisphase meines 6.Semesters (also die letzte!) in England geben.

Von Redaktion DHBW Mosbach

Seit Anfang des 5.Semesters werde ich von meinem Arbeitgeber für meine Praxisphasen nach England gesendet, um Fuß in Lidl UK zu fassen. Hier erhalte ich Einblicke in die Rolle des Filial- und Verkaufsleiters (Store/Area Manager), arbeite mit verschiedenen großartigen Persönlichkeiten zusammen und übernehme selbst zeitweise Verantwortung in Bezirken.

Tatsächlich verbrachte ich bereits mein viertes Semester in England. Diese einseitige Aufstellung von Destinationen ist darauf zurückzuführen, dass für mich vorgesehen ist, von Lidl UK übernommen zu werden und ich demnach möglichst viele Einblicke über das Land erhalten wollte, in das ich nach Abschluss des Studiums hinziehen werde. Für diese Praxisphase wurde ich im Raum Northamptonshire und Buckinghamshire eingesetzt.  Diese Gegend bezeichnet man als die Midlands und durch einen Blick auf die Karte wurde deutlich, dass der Titel passt: eingespannt zwischen Cambridge im Osten, London im Süden, Oxford im Südwesten, Stratford im Westen (für die Kulturbanausen: Geburtsort von W. Shakespeare) und Birmingham im Nordwesten, erreicht man von hier aus sämtliche Orte in ca. einer Stunde mit dem Auto. Meine Unterkunft habe ich mir in Luton gebucht. Der einzige Grund dafür war, dass es sich bei der Unterkunft um ein Studentenwohnheim handelt und ich meine Bachelorarbeit nebenbei schreiben musste, was mir niemals in einem Hotelzimmer / Apartment gelungen wäre. Dort stimmte die Atmosphäre und es war einfacher, sich zum Schreiben zu überwinden. Es gibt ja doch deutlich ansprechendere Aktivitäten, denen man in seiner freien Zeit außerhalb der Arbeit nachgehen möchte.

Die Anreise nach England ist kein Hexenwerk bei drei Flughäfen in London und einer Bahnverbindung durch den Eurotunnel. Die einzige Anmerkung ist, dass ihr mit dem neusten Reisepass schneller durch die Grenzkontrollen am Flughafen kommt, da diese rein elektronisch über Gesichtserkennung erfolgen, was sich als deutlich zeitsparender erweist. Glücklicherweise sind mir Unterkunft und Mietwagen vonseiten des Unternehmens für den Zeitraum gestellt. Andererseits empfehle ich die Trainline-App für die Weiterfahrt vom Flughafen mit dem Zug oder National Express für Busfahrten. Hinsichtlich privater Mietwagenbuchungen sei zu erwähnen, dass die Jungfahrergebühren enorm hoch sind in England und oft höher sind als der Mietpreis selbst. Über Vergleichsportale wie Check24 lassen sich Preise generieren, welche diese oft versteckten Gebühren direkt enthalten. Das Fahren auf der linken Seite ist halb so wild und eigentlich eine witzige Angelegenheit, wenn da nur nicht die ganzen Verkehrskreisel wären, die landesweite Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Meilen pro Stunde (ca. 113km/h) und die verschwenderische Aufstellung von Radaren. Ich spreche mir eigentlich die  Eigenschaft ab, zu klagen, doch die Deutschen Autobahnen vermisse ich, so viel steht fest.
Nun aber genug von den Formalien und Planungen.

Normalerweise bin ich kein Freund von Stereotypen, bezüglich jener über England seid versichert: sie sind wahr. So testete ich die Höflichkeit einiger Einheimischen beispielsweise, in dem ich ihnen bei einigen Anlässen “versehentlich” auf den Fuß trat und sie sich entschuldigen in der Annahme, sie standen mir im Weg (bitte nicht zuhause nachmachen!). Was das Essen betrifft, sei es der kulturellen Vielfalt hierzulande zu verdanken, dass man Bohnen aus der Dose mittels zahlreicher alternativer Degustationsmöglichkeiten ausweichen kann. Es ist dennoch interessant, wenn man von einem Briten auf die Frage, was sie als Nationalgericht bezeichnen, “Curry” als Antwort erhält. Zu empfehlen sind typische Dining Pubs, in denen ich preiswert meine Bachelor-Schreibphase durch täglich Bier & Burger überstehen konnte. In Lokalen wie Spindle&Thread, The Reginald’s Mitchell und The Greyhound’s Inn lernt man so hervorragend die lokalen Brauereierzeugnisse kennen und wenn man ins Gespräch mit den Einheimischen kommt, könnt ihr Eure Wörterbücher daheim lassen, denn hier lernt man die Ausdrücke und Begrifflichkeiten, die man so nicht in den Medien zu hören bekommt. Aufgrund des Formats dieses Blogbeitrages sei von konkreten Beispielen abzusehen, bringt dies persönlich in Erfahrung. So viel sei gesagt: hier in England geht man bereits um 17.00Uhr aus, und bei einem gemütlichen Abend spricht man von “Out”, möchte man es krachen lassen bis spät in die Nacht hinein, geht man “Out Out”!

Was die sonstigen Unterhaltungskosten betrifft, möchte ich Dir nichts vormachen: natürlich geht man da am besten zu Lidl! Damit zum eigentlichen Inhalt: der Arbeit.

Für diese Praxisphase war ich in einem besonderen Projekt involviert: der Neueröffnung von zwei Filialen in Northampton und Milton Keynes. Obwohl ich durch meine Erfahrung in deutschen Filialen Hochachtung vor dem organisatorischen Aufwand eines Filialbetriebs habe, hat mich der Prozess einer Neueröffnung eines besseren belehrt.

Die Übergabe des Schlüssels zur Filiale von dem Bauunternehmen an das Filialteam geschieht eine Woche vor Eröffnung. Nach einem gemeinsamen Rundgang und Sicherheitsunterweisungen betritt man eine 1.500qm große leere Halle und spätestens jetzt wird einem klar, dass hier in SIEBEN Tagen Handel betrieben werden soll. Von nun an wird man Mitwirkender und Zeuge eines organisatorischen Spektakels. Zu den vielen Prozessen gehört die Vorbereitung des Store Layout, Warenlagers und der Kassensysteme, eine Anzahl von handelsrechtlichen Prüfungen und nicht zu vergessen: die Disposition zur Auffüllung des gesamten Sortiments. So bescherte bereits der erste Tag unser Team mit einem Workload von über 90 Paletten Trockensortiment, welches es in die Regale zu verräumen galt. Im Falle der Filiale von Northampton handelte es sich um einen Umzug, was bedeutet, dass die alte Filiale zeitgleich vorschriftsgemäß geschlossen werden musste. Auch die Abstimmung mit internen Abteilungen sowie externen Stakeholdern z.B. zahlreichen Installateuren, der lokalen Gemeinde, und Sicherheitsdiensten war an der Tagesordnung. Als deutsches Unternehmen sind die meisten mitwirkenden Firmen aus Deutschland angereist, sodass ich zum Teil die Rolle als Dolmetscher wahrnehmen durfte. Ein witziger Zwischenfall war unter anderem, dass das Wort “Cheese” als Wandbeschriftung über dem Kühlregal von einem ihrer Mitarbeiter mit einem e weniger angebracht wurde und dies erst bis kurz vor der Eröffnung korrigiert wurde. Man fragte sich all die Tage: wo ist nur dieses verflixte e abgeblieben? Selten habe ich mir so um einen solch banalen Vokal derartige Sorgen gemacht.
Doch dann am Donnerstagmorgen, nach dem das letzte Preisschild eingesetzt, die letzte Kasse gezählt und die letzte Ecke der Filialfläche gereinigt war, stand ich mit dem Filialteam im Kreis. Wir reflektieren, was wir in der letzten Woche geleistet haben. Die Bilder geben eine Vorstellung davon, wie wir uns an dem Morgen vor der Eröffnung um 08.00 Uhr gefühlt haben. Stolz, Freude und alle guten Emotionen, die wir für den Tag  benötigten, und bei einigen so manch eine Freudenträne hervorbrachte, durchströmten uns und wir sind uns alle einig: das wird ein voller Erfolg! Auch der Bürgermeister von Northampton stieß um kurz vor 8 hinzu, mit schwarzer Robe und einer goldenen Kette mit dem Wappen der Stadt. Der Parkplatz füllte sich und eine beachtliche Menge an baldigen Kunden lauschte seiner Rede und jener des Store Manager. Nun erschließt sich mir nicht ganz, weshalb der Bürgermeister nur eine Holzschere mit sich hatte, um das rote Band durchzuschneiden, da dies schlicht und einfach nicht funktionierte. Doch während er mit dieser freundlich für die Kamera lächelte, trat ich hinzu und verrichtete die Schneidearbeit. Schmunzelnde Gesichter betreten darauf die Filiale und werden von einem motivierten Team begrüßt sowie Produktverkostungen und Kinderschminken für die jüngeren Besucher.

Auch wenn ich während dieses unmittelbaren Zeitraums weniger von England selbst sah, hatte ich dennoch zuvor zahlreiche Möglichkeiten und möchte Dir einige davon empfehlen. Wem der Trubel einer Stadt des Kalibers von London zu viel ist, fühlt sich in Oxford sehr gut aufgehoben. Absolute Highlights sind die Christ’s Church, in der man jenen Speisesaal findet, in dem Prof. (Fresh) Dumbledore die vier Fraktionen wählte, aber auch das Oxford Museum of Natural History, einer phänomenalen Ausstellung von  weltweit gesammelten und hier aufbereiteten Dinosaurier-Skeletten. Sei gewarnt: nicht überall betritt man ein Gebäude und blickt einem T-Rex in die Augen(-höhlen)! Man spürt definitiv, dass es sich bei Oxford um eine Studentenstadt handelt, doch besonders abends wird deutlich, dass hier nicht rund um die Uhr in seinen Zimmern gelernt wird.
Auch Stratford als kleines Städtchen ist die Reise wert. Dort ich die Möglichkeit, die Tragödie “The Dutchess of Malfi” im Shakespeare-Theater zusehen. Ein Airbnb-Kontakt meiner zuvor gebuchten Unterkünfte führt Akupunkturbehandlungen für die Schauspieler durch und konnte mir Karten in der ersten Reihe besorgen. Daher mein Rat: hegt und pflegt Kontakte dieser Art!

In Birmingham traf ich den Freundeskreis, den ich während des Auslandssemesters aufgebaut habe und wir gingen auf die MCM Comic Con. MCM veranstaltet diese Events das ganze Jahr über in ganz England. Ich wäre wohl als Detektiv Conan oder Prinz Zuko gegangen, aber die Cosplays kamen nicht rechtzeitig an. Definitiv zu empfehlen, die Community ist herzlich und großartig, nur plant eure Cosplays rechtzeitig!

Weitere Empfehlungen sind Liverpool, die Stadt der Live-Musik. In der Mathew-Street befinden sich eine Anzahl von Live-Musik Pubs, unter anderem der Cavern-Club, in dem die Beatles ihren ersten Gig spielten. Die Beatles selbst sagten nach einem Aufenthalt in Hamburg, die Stadt erinnere sie an Liverpool. Dasselbe empfand ich, insbesondere in der Hafenstadt, in der die Albert Docks viele Touristen anziehen!

Wem nach etwas mehr Natur ist, sollte den Peak District Park aufsuchen. Dieser wird dem Landschaftsbild, das man sich von England erhofft mehr als gerecht. Wem nach einer Challenge ist, kann eine Wanderung gezielt zur Thor’s Cave unternehmen, eine Gesteinsformation, von welcher Thor seinen Hammer empfangen haben soll.
Wenn es die Zeit erlaubt, empfehle ich außerdem einen Wochenendtrip in Edinburgh oder Dublin. Die meisten Hotels veranstalten hervorragende Touren, durch die man das Beste aus der gegebenen Zeit herausholen kann. Außerdem knüpft man so noch schneller Kontakte!

Die Stadt Cambridge und der Jaguar Hauptsitz in Coventry (hoffentlich auch eine Testfahrt!) stehen als nächstes auf meiner To-Do-Liste.

Ich bin überaus dankbar, die beschriebenen Ereignisse als meine persönlichen Erlebnisse bezeichnen zu können. Eigenschaften wie Eigenorganisation und Verlässlichkeit sowie Führungskompetenzen wurden auf einer ganz neuen Ebene herausgefordert und weiter ausgebaut. Aufgrund des Anspruch des Unternehmens Lidl, seinen Kunden in allen 28 Ländern dasselbe vertraute Einkaufserlebnis zu bieten, unterschätzt man oft die Unterschiede, welche dann doch hinsichtlich der Kunden, der Mitarbeiter, des Sortiments und der Geschäftsprozesse herrschen. Insbesondere als Führungskraft ist es von großer Wichtigkeit, sich dieser lokalen Besonderheiten bewusst zu sein und diese zu seinem Vorteil zu nutzen, nicht nur um Kennzahlen-Ziele zu erreichen, sondern auch um solide Verhältnisse mit seinen Stakeholdern und Mitarbeitern aufzubauen und diese zu motivieren. Diese Möglichkeit ist mir nun gegeben, denn ich darf meinen Weg mit Lidl UK als Store Manager nach Ende des Studiums fortsetzen.

Ich empfehle jedem, seine persönlichen Erfahrungen zwecks der Förderung von Erasmus+ zu machen. Einem wird dadurch zwar nicht die Eigenverantwortung genommen, den eigenen Ablauf in Zusammenarbeit mit seinem dualen Partner zu organisieren, doch kann man seine Zeit voll und ganz dem Planen widmen, um möglichst wenig Kompromisse in der Inanspruchnahme der gegebenen Möglichkeiten vor Ort zu machen.
In meinem Fall war von Anfang an vorgesehen, nach dem Studium für das Unternehmen im Ausland tätig zu sein, demzufolge erwies sich die Umsetzung als relativ unkompliziert. Andernfalls ist solch ein Vorhaben für Dein Unternehmen ein Aufwand, dessen Nutzen Du klar verbalisieren solltest. Zunächst empfehle ich Dir, dich mit einem Ansprechpartner aus deinem Unternehmen zusammenzusetzen. Natürlich hat dieses bestenfalls eine Niederlassung im Ausland. Mache Dir vorher Gedanken, welche Vorteile es für Deine persönliche Entwicklung hat und wie das Unternehmen davon profitiert. Hat Dein Unternehmen Tätigkeitsfelder outgesourced, die in Verbindung mit Deiner Arbeit stehen? Könntest Du eventuell Durch Deinen Aufenthalt Potenziale ausarbeiten, wo Dein Unternehmen Prozesse optimieren und Kosten einsparen kann? Wäre es generell nicht interessant für Kollegen in Deiner Abteilung, einen Einblick über die ausländischen Unternehmenstätigkeiten zu erhalten? Ließe sich ein Aspekt dieser zu einem Untersuchungsgegenstand Deiner Bachelorarbeit machen? Sei optimistisch und überzeugend! In der globalisierten Welt von heute muss jedes Unternehmen, dass in irgendeiner Form grenzübergreifend tätig ist, ein Bewusstsein für interkulturelle Belangen haben, welche die interne Kommunikation betreffen, aber auch die Anpassung an lokale Konsumpräferenzen der Endkunden sowie den Verhandlungsstil mit ausländischen Partnern. Der Schlüssel für die Erlangung dieses Know-How liegt in der Förderung der Mitarbeiter, diese Expertise zu erwerben und dann zugunsten des Unternehmens anzuwenden. Damit bist Du zweifelsohne eine lohnende Investition für Deinen Arbeitgeber.

Durch die Förderung von Erasmus+ bist Du der Auslandserfahrung schon einen gehörigen Schritt näher, so wird Dein dualer Partner sicherlich gewillt sein, konkreter mir Dir über den Ablauf zu sprechen.

Ich danke Dir für das Lesen meines Blogbeitrages, wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Studium und hoffe, dass Du bald zu den nächsten gehören darfst, die von ihren Erfahrungen im Ausland berichten dürfen!

 

- Matthieu

Auslandspraktikum mit Erasmus+ (SMP)

Ein weiteres Programmziel von Erasmus+ ist es, Studierenden während ihres Studiums oder unmittelbar im Anschluss an ihr Studium (Graduierte) praktische Berufserfahrung im europäischen Ausland zu ermöglichen und dabei die internationale Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen zu fördern.

Studierende können während des Auslandspraktikums ihre persönlichen Fähigkeiten und fachlichen Kenntnisse durch praktische Berufserfahrungen erproben und ausbauen.

Studierende, die ein studienbezogenes Praktikum für einen Zeitraum von mindestens 2 Fördermonaten (60 Tage) aber maximal 3 Fördermonaten (90 Tage) im europäischen Ausland absolvieren, können dafür eine Erasmus+ Förderung beantragen.

Weitere Information über Erasmus+ Förderung finden Sie hier.