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As-salamu alaykum,

mein Name ist Henrik Neumann und ich bin 20 Jahre alt. Ich studiere an der DHBW Mosbach – Campus Bad Mergentheim in Kooperation mit den Stadtwerken Bretten den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Innovations- und Energiemanagement. Wie bereits in meinem ersten Blogbeitrag erwähnt, habe ich mich für ein Auslandssemester an der German-Jordanian-University in Amman entschieden.

Von Redaktion DHBW Mosbach

Inzwischen ist über die Hälfte der Zeit meines Auslandssemesters vergangen. Ehrlich gesagt ist es mir ziemlich schwer gefallen, diesen Blogbeitrag zu beginnen. Ich habe bereits sehr viel gesehen und habe in unterschiedlichsten Bereichen sehr viel erlebt. Da ich dies nicht alles in diesem Blogbeitrag erläutern kann, habe ich mich für die folgenden Absätze entschieden.

Studienalltag in Jordanien

Vorlesungen

Die Vorlesungen in Jordanien sind wesentlich „verschulter“ als an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Die Klassengröße beträgt zwar auch ungefähr 25 Studierenden, jedoch sind die Lernkonzepte unterschiedlich aufgebaut.

Zum Beispiel gibt es mündlichen Noten und Hausaufgaben, welche oftmals bewertet werden. Ehrlich gesagt bin ich kein wirklicher Fan von regelmäßigen Hausaufgaben im Studium, da ich es schätze und im Studium gelernt habe, für meinen eigenen Lernfortschritt selbst verantwortlich zu sein. Hausaufgaben ersetzen in Jordanien das eigenständige und kontinuierliche Lernen. Die Förderung von selbständigem und eigenverantwortlichem Lernen wird hierdurch, in meinen Augen, vernachlässigt. Außerdem empfinde ich es als ziemliche Einschränkung, seine „Zeit“ im Studium nicht selbst einteilen zu können.

Zusätzlich hat der Professor die Möglichkeit Studierende aufzurufen und „extra marks“ auf Fragen zu verteilen. Im Prinzip ist diese Methode kein schlechter Ansatz, um aufmerksame Studenten zu belohnen. Leider wird diese Methode meiner Meinung nach falsch angewendet. Es werden nur „extra marks“ für Fragen, welche dem Vorlesungsstoff vorgreifen, gestellt und belohnt. Somit wird nicht die Aufmerksamkeit belohnt, sondern lediglich Menschen, welche bereits die Folien davor gelesen haben bzw. genau in diesem Bereich studieren.

Insgesamt sind die Vorlesungen durch Projekte, Gruppenarbeiten und Fragen an die Studierenden geprägt. Man merkt deutlich, dass beim DHBW-Studium ein Theoriesemester nur die Hälfte der Zeit eines „normalen Semesters“ beträgt. Die Vorlesungsinhalte sind ungefähr auf einem ähnlichen Niveau, jedoch hat man an dieser Universität deutlich mehr Zeit die Inhalte in der Vorlesung zu besprechen und es gibt sogar oftmals „Übungen“ während der Vorlesung, was an der DHBW eher eine Seltenheit ist. Zusätzlich hat man deutlich weniger Vorlesungsstunden pro Woche und wenn man die Freizeit regelmäßig zum Wiederholen nutzt, ist das ganze Studium deutlich entspannter.

Mit den Vorlesungen in Englisch habe ich noch gar keine Probleme gehabt und konnte bisher immer sehr gut folgen. In meinem ersten Blogbeitrag hatte ich erwähnt, dass manche Professoren Teile der Vorlesung auf Arabisch halten. In persönlichen Gesprächen mit den Lehrbeauftragen, habe ich sie davon überzeugen können, die Vorlesung in Englisch durchzuführen (Die Wenigsten waren begeistert!). Ausschließlich in einer meiner Vorlesungen werden Fragen auf Arabisch beantwortet und die Unterrichtssprache ist ein Mix von Arabisch und Englisch. Dies liegt jedoch an den mangelnden Sprachkenntnissen des Verantwortlichen. Deshalb habe ich darüber hinweggesehen und erarbeite mir die Inhalte mithilfe des englischsprachigen Skripts selbst.

Prüfungen

In den meisten Vorlesungen an der GJU werden „First-, Second-, und Final-Exam“ geschrieben. Zusätzlich kommen noch Projekte, bewertete Hausaufgaben, bewertete Aufgaben während der Vorlesung und die mündliche Note hinzu. Die ersten zwei schriftlichen Prüfungen behandeln oftmals den Unterrichtsstoff der letzten 4 Wochen. Somit sind hierbei, mit ein wenig Aufwand, gute Ergebnisse zu erzielen, da der Klausurinhalt sich in Grenzen hält. Im Zeitraum der zweiten Klausurenphase hatte ich Besuch durch meine Eltern, weshalb ich meine Prioritäten in dieser Periode anders gesetzt hatte. Ich würde den nachfolgenden Studenten empfehlen den Besuch an einem anderen Zeitpunkt zu planen, um Stress zu vermeiden. Dennoch waren die Ergebnisse zufriedenstellend. Die Final-Exams stehen mir noch bevor. Diese Semesterabschlussprüfungen beinhalten den ganzen erlernten Vorlesungsinhalt und sollen mit Abstand die schwersten Prüfungen im Semester sein.

Insgesamt ist die Verteilung der Prüfungen über das ganze Semester eindeutig zum Vorteil der Studierenden, da man zum kontinuierlichen Lernen gezwungen wird, was hilft das Erlernte langfristig zu speichern. Zusätzlich kann man Prüfungen mit anderen Prüfungen im Semester ausgleichen und somit wird nicht jeder Fehltritt in einer Prüfung direkt bestraft.

Kultur & Erlebnisse

Ramadan – Der Fastenmonaten der Muslime.

Ein ganz besonderes Highlight bisher war der Beginn des Fastenmonats. Ich habe mich bereits schon seit längerer Zeit darauf gefreut, da viele meiner jordanischen Freunde mir bereits positiv darüber berichtet hatten. Genau deshalb habe ich mich entschlossen ebenfalls zu fasten, um entsprechende Erfahrungen zu sammeln und ein gutes Gespür für die Religion und Kultur meiner neu gewonnenen Freunde zu bekommen.

Während Ramadan ist in Jordanien wirklich alles anders. Einige Beispiele sind, dass ein veränderter Vorlesungsplan veröffentlich wird, fast alle Restaurants tagsüber geschlossen sind, es verboten ist in der Öffentlichkeit zu essen und zu trinken etc.…

Während dem Fasten im Islam sollte man von Sonnenaufgang (ca. 4:20 Uhr) bis zum Sonnenuntergang (ca.19:30 Uhr) weder essen noch trinken. Nachdem die Sonne dann untergegangen ist, gehen die meisten Menschen in Restaurants oder essen gemeinsam mit der Familie und Freunden zuhause. „Iftar“ ist für mich selbstverständlich der schönste Teil, da man niemals alleine ist und es immer etwas ganz Besonderes ist, gegen Abend dann wieder essen und trinken zu dürfen. Für mich persönlich ist es bisher eine sehr schöne Zeit und der Körper stellt sich extrem schnell auf die veränderten Bedingungen um. So war der erste Tag eine ziemliche Qual (ständig Hunger und Durst), jedoch nach 4 Tagen hat der Körper sich an die veränderte Zunahme von Essen und Trinken gewöhnt. Dennoch war es immer eine Genugtuung am Abend zu essen.

Nicht nur das gemeinsame Essen am Abend in Ramadan ist besonders, sondern auch die ganze Stimmung im Land. In der Stadt sind sehr viele Menschen bis tief in die Nacht unterwegs und oftmals spielen die Kinder auf der Straße bis die Sonne aufgeht.

Tauchschein in Aqaba

Endlich! Ich hatte mir schon seit einiger Zeit vorgenommen den Tauchschein „Padi – Open Water Diver“ zu absolvieren. In Jordanien war es nun soweit. Einer meiner besten jordanischen Freunde „Mohammad“ ist Tauchlehrer, weshalb zwei weitere Studenten und ich beschlossen hatten, den Tauchschein zu beginnen. Aqaba liegt an Jordaniens Zugang zum Roten Meer und ist ein beliebter Ort für Taucher, da es neben bunten Korallen und Fischen auch versunkene Schiffe, Panzer, Flugzeuge etc. zu sehen gibt. Bereits die ersten Tauchgänge während des Kurses waren beeindruckend und die Erfahrung dieser Schwerelosigkeit ist überwältigend. Zusätzlich haben wir direkt bei Beginn unseres ersten Tauchgangs zwei Rochen gesehen, welche in Aqaba nicht besonders üblich sind. Schnell waren die praktischen Übungen erledigt und die praktische Abschlussprüfung bestanden. Lediglich die theoretische Prüfung wurde aufgrund von Klausuren an der Universität ein wenig herausgezögert, doch auch diese haben wir schlussendlich sehr gut bestanden. Ich bin mir sicher, dass noch viele weitere Tauchgänge folgen werden.

Fazit

Wie erhofft bin ich weiterhin sehr glücklich in Jordanien und froh um jede noch folgende Erfahrung. In vielen Bereichen muss man aus der „Comfort Zone“ heraussteigen und über sich hinauswachsen. Es wäre höchstwahrscheinlich einfacher gewesen in Deutschland zu studieren, da man keine Probleme mit der Kurswahl hat, die Noten vergleichbar sind, der Organisationsaufwand geringer ist, die Unterrichtssprache eindeutig definiert ist u.v.m.. Dennoch würde ich das Auslandssemester nicht missen wollen und jedem weiterempfehlen! Diese Möglichkeit hat mich in den unterschiedlichsten Bereichen gefordert und gefördert. Ich bin davon überzeugt, dass genau dieser Prozess mir viele Vorteile im privaten sowie im geschäftlichen Bereich aufzeigen wird. Zusätzlich ist es sehr interessant das Land zu besichtigen, die Kultur kennenzulernen und neue, internationale Kontakte zu knüpfen.

Das Stipendium der Bürkert Stiftung, welches in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro DHBW Mosbach verliehen werden kann, fördert Studierende aus dem Bereich Technik während ihres Auslandssemesters. Die Stipendiaten zeichnen sich insbesondere durch ihr fachliches Können aus, setzen sich persönlich für die Belange der Allgemeinheit ein und sind sozial engagiert, an der DHBW oder auch außeruniversitär. Des Weiteren wird bei der Vergabe der finanzielle Bedarf der Studierenden berücksichtigt.

Weitere Informationen zur Christian Bürkert Stiftung gibt es hier.

German-Jordanian-University