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Alleine nach Amman

Mein Name ist Henrik Neumann und ich studiere „Wirtschaftsingenieurwesen – Innovations- und Energiemanagement“ an der DHBW Mosbach am Campus Bad Mergentheim. Mein Auslandssemester absolviere ich an der German-Jordanien-University in Jordanien.

Von Redaktion DHBW Mosbach

„Warum ausgerechnet Jordanien?“, „Wie kommt man denn da drauf?“ oder „Das ist doch gefährlich oder?“ waren die üblichen Reaktion meiner Kommilitonen auf den Entschluss in Jordanien zu studieren. Selbstverständlich kann ich diese Verwunderung verstehen, da sich Jordanien umzingelt von einigen Krisenherden der Welt befindet und durch die Medien oftmals mit diesen Ländern gleichgestellt wird.

Doch warum habe ich mich genau für dieses Land entschieden? Es gibt viele Anhaltspunkte, welche mich bewegt haben, diese Entscheidung zu treffen. Einige dieser Punkte möchte ich hiermit erläutern:

  • Kultur: Jordanien liegt im Nahen Osten und ist somit arabisch geprägt. Ich bin äußerst interessiert die arabischen Bräuche und Sitten, Lebenseinstellung, Religion und Sprache kennenzulernen.
  • Sprache: Die arabische Sprache wird in der Wirtschaft immer wichtiger und auch privat bringt es einige Vorteile mit sich, wenn man diese beherrscht. Ich habe mich mit der Thematik beschäftigt und bin davon überzeugt, dass die Sprache an Zuwachs gewinnen wird und es mir in der Zukunft einen Vorteil verschaffen wird, wenn ich Kenntnisse darüber habe. Deshalb werde ich einen Arabischkurs an der Universität belegen.
  • Lebensstandard: Ich habe bereits einige Industrienationen dieser Welt besucht und festgestellt, dass sie sich nur in Kleinigkeiten zu der Industrienation Deutschland unterscheiden. Deshalb finde ich es reizvoll ein Land zu besuchen, welches nicht im völligen Wohlstand lebt, jedoch einen relativ hohen Lebensstandard hat.
  • Universität: Die GJU ist im ganzen arabischen Raum für das gute Studium bekannt und ist perfekt für meinen Studiengang ausgelegt, da diese auf den Bereich Energie spezialisiert ist und man dort auch „Industrial Engineering“ studieren kann.
  • Landschaft: Jordanien hat Zugang zum Roten Meer und ein Großteil des Toten Meeres ist zugänglich. Außerdem hat das Land große Wüstenabschnitte aber auch grüne, fruchtbare Flecken. Es gibt viele Canyons im Land, welche sich perfekt zum Wandern und Klettern eignen.
  • Sicherheit: Während meiner Entscheidung für Jordanien als Auslandssemesterland, habe ich mich viel mit der Sicherheitslage im Land beschäftigt. Jordanien gilt als sicheres Land. Lediglich von der Reise an Grenzgebiete wird vom Auswärtigen Amt abgeraten.

In diesem Abschnitt des Artikels möchte ich erläutern, weshalb ich sehr glücklich darüber bin, dass ich mich als einziger Student der DHBW für dieses Land entschieden habe. -Bitte nicht falsch verstehen, ich bin mit sehr vielen Leuten aus der Hochschule eng befreundet!- Jedoch konnte ich somit in ein Land reisen, ohne auch nur eine Person vor Ort zu kennen und mich somit vollkommen auf diese mir „fremde Welt“ einzulassen. Hinzukommend konnte ich kein einziges Wort der dortigen Sprache „Arabisch“.

Somit war ich am Anfang meines Auslandssemesters „alleine“ in einem Land und konnte mich nur schwer verständigen, da die wenigsten Menschen dort Englisch sprechen. Durch genau diese Herausforderung war ich darauf angewiesen, neue Kontakte zu knüpfen und mich auf neue Erfahrungen einzulassen. Wie ihr Euch wahrscheinlich schon denken könnt, war ich nicht lange „alleine“ und habe inzwischen einen großen Freundeskreis in Jordanien.

Durch genau diese Erfahrung habe ich mich nochmals enorm weiterentwickeln können. Nicht nur meine Sprachkenntnisse haben sich somit erweitert, sondern auch insbesondere mit vielen neuen Menschen und Eindrücken konfrontiert zu werden. Ich bin davon überzeugt, dass dies nicht in diesem Ausmaß möglich gewesen wäre, wenn ich mit einigen mir schon bekannten Personen dorthin gereist wäre.

Selbstverständlich hatte ich auch teilweise Probleme (z.B. beim Einkaufen, Taxi fahren, Kurswahl an der Universität usw.). Jedoch konnte ich alle diese Situationen lösen und genau diese Erfahrungen erweitern meinen Horizont und prägen mich. Meiner Meinung nach ist dies der Zweck, der durch ein Auslandssemester erfüllt werden sollte. Deshalb kann ich jedem empfehlen, welcher keine Angst vor neuen Herausforderungen (und somit auch Problemen) hat und sich weiterentwickeln möchte, alleine in einem anfangs fremden Land zu studieren.

Die ersten Wochen in Amman:

Die Anreise per Flugzeug und die Übergabe der Wohnung verliefen problemlos. Ich bin beabsichtigt ein wenig zu früh angereist, um vor dem Start des Vorlesungszeitraums noch die Umgebung zu erkunden und die ersten Kontakte zu knüpfen. So kam es dann auch. Mein Mitbewohner, welcher französische Wurzeln hat, aber seit längerer Zeit in Jordanien als Anwalt arbeitet, ist sehr aufgeschlossen. Wir haben uns direkt gut verstanden und uns auf Französisch unterhalten, damit ich meine Kenntnisse trainiere. Außerdem hat er mir Tipps gegeben, da er bereits arabisch spricht und das Land kennt.

Eines der Highlights in meinem Aufenthalt bisher war eine Wander- und Klettertour mit meinem „Flatmate“ und seinem amerikanischen Kumpel. Gemeinsam haben wir uns ein Auto gemietet und sind damit ca. 2 Stunden in die Wüste gefahren. Daraufhin sind wir durch die atemberaubende Landschaft und den wunderschönen Canyon gewandert. Hierbei sind wir an den steilen Sandsteinfelsen hochgeklettert und haben die Aussicht genossen und etwas mit dem Gaskocher gekocht und gegessen. Ich finde es erstaunlich, dass wir während dem gesamten Wandertrip nur eine Person, einen Ziegenhirten, gesehen haben.

Seither habe ich mit unterschiedlichsten Personen, Ausflüge gemacht. Unter anderem an das Tote Meer. Hierbei haben wir die Sonne genossen, dem Sonnenuntergang zugeschaut, ein Lagerfeuer gemacht und selbst eingelegte „Chicken-Wings“ gegrillt. Außerdem habe ich zwei weitere Canyon-Wanderungen hinter mir. Ich bin danach jedes Mal begeistert und müde ins Bett gefallen.

Einen wirklichen Kulturschock bekommt man, sobald man den Markt in der Innenstadt besucht. Hier sind sehr viele Einheimische, um ihre Wocheneinkäufe zu tätigen, da man dort wirklich alles kaufen kann. Neben Klamotten wurden mir diverse Obstsorten, Fleisch, Spielzeug, Süßigkeiten, Kaffee usw. angeboten. Es ist mir sogar passiert, dass ein Ladenverkäufer mit einem Schafsgehirn in seiner Hand mir entgegengestürmt ist und dieses verkaufen wollte.

Generell ist der Markt sehr außergewöhnlich, jedoch zieht es mich aufgrund des Flairs, der regionalen Produkte und der Möglichkeit seinen individuellen Preis zu verhandeln immer wieder dorthin. Ratsam ist es, laut meiner Erfahrung, die arabischen Zahlen davor zu lernen und richtig aussprechen zu können. smiley

Ein großes Problem in Jordanien ist der Umgang und Konsum von Kunststoffartikeln.

Ein Beispiel, welches mir extrem auffällt: Sobald man Artikel einkauft, werden diese in „Plastiktüten“ verpackt. Auch wenn es nur eine Dose ist und man einen Rucksack dabei hat, wir diese nochmals verpackt.

Deshalb sieht man auch überall, egal ob in der Stadt oder in der Wüste, Müll. Leider gibt es auch keine wirkliche Mülltrennung und das ganze Müllentsorgungssystem ist sehr unorganisiert.

Erfreulicherweise hat sich mein jordanischer „Study Buddy“ direkt bei mir gemeldet und wir haben uns verabredet. Einige seiner Kumpels sind dazu gestoßen und wir haben uns über Kulturen, Erfahrungen, Hobbys und Geschichten ausgetauscht. Außerdem sprechen einige von Ihnen ein paar Wörter Deutsch und waren sehr interessiert. Deshalb wurde eine kleine „Deutschstunde“ gegeben, bis wir die letzten Personen im Lokal waren. Viele der kennengerlernten Jordanier treffe ich immer wieder beim Fußball oder am Campus.

Die Gastfreundschaft der Jordanier lässt sich in verschiedensten Situationen bemerken. Sobald man jemanden anspricht, ist diese Person sehr hilfsbereit und interessiert. Selbst wenn man mal planlos an der Bushaltestelle steht, wird man angesprochen und es wird Hilfe angeboten. Außerdem wird man oftmals mit „Welcome to Jordan“ begrüßt.

Über den Studienalltag kann ich noch nicht besonders viel berichten, da dieser erst begonnen hat und ich nur wenige Vorlesungen in den unterschiedlichen Fächern hatte. Was ich aber seither mitteilen kann ist, dass die Professoren sehr streng mit der Anwesenheit sind und es sehr zeitaufwendige Hausaufgaben gibt, welche man in der Freizeit erledigen muss. Dafür ist jedoch der Vorlesungsplan, im Vergleich zu der DHBW, recht entspannt. Die Methoden in der Vorlesung (Präsentationen, Fragen, Gruppenarbeiten) ähneln dem Schulunterricht in Deutschland sehr. Leider stellen die Studenten alle Fragen in Arabisch und der Lehrbeauftragte antwortet auch in Arabisch. Ich bin gespannt wie es sich entwickeln wird.

Aufgrund dieses Blogbeitrags habe ich meine bisherigen Erfahrungen nochmals Revue passieren lassen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich mit der Wahl „Jordanien“ sehr zufrieden bin. Ich habe bisher nur unglaublich gastfreundliche, zuvorkommende Einheimische kennengelernt, welche sehr interessiert auf mich reagiert haben. Zusätzlich hat mich die Natur, mit ihren unterschiedlichen Facetten, begeistert.

Ich bin zuversichtlich, dass mein nächster Blogbeitrag ebenfalls positiv ausfallen wird. Hierbei werden der Studienalltag, kulturelle Erfahrungen und Erlebnisse genau beschrieben.

Das Stipendium der Bürkert Stiftung, welches in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro DHBW Mosbach verliehen werden kann, fördert Studierende aus dem Bereich Technik während ihres Auslandssemesters. Die Stipendiaten zeichnen sich insbesondere durch ihr fachliches Können aus, setzen sich persönlich für die Belange der Allgemeinheit ein und sind sozial engagiert, an der DHBW oder auch außeruniversitär. Des Weiteren wird bei der Vergabe der finanzielle Bedarf der Studierenden berücksichtigt.

Weitere Informationen zur Christian Bürkert Stiftung gibt es hier.

 

German-Jordanien-University
Bild des Benutzers werbung.siegismund@gmx.de

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28.03.2019 12:41
Herr Neumann, toller Bericht, der alle Höhen und Herausforderungen eines Auslandssemesters ja schon beinhaltet! Weiterhin viiiiiel Spaß und großen Erkenntnisgewinn!!!! Ich bin schon gespannt auf updates :-) Schöne Grüße aus dem Schloss... Volker Siegismund