„In jedem Fall wäre aus mir früher oder später ein Hochschullehrer an der DHBW geworden“

Volkhard Wolf ist seit 2001 Studiengangsleiter für BWL-Industrie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach, sein Lehrschwerpunkt liegt auf E-Business und Digitalisierung. Zuvor promovierte er am Max-Planck-Institut in Mainz, forschte dann zunächst am Zentrum für Produktionstechnologie der IBM in Sindelfingen und war Marketing- und E-Business-Manager der IBM in Stuttgart-Vaihingen. Im Interview verrät er, warum er Professor wurde, was er auf eine einsame Insel mitnehmen würde - und was er an der „kleinen Weltstadt mit Herz“ Mosbach schätzt.

Von Redaktion DHBW Mosbach

Studiengang und Lehre

Was hat Sie motiviert, Professor zu werden?

Als ich im Jahr 2000 an meinem ersten Buch über E-Business arbeitete, bekam ich große Lust, tiefer einzusteigen und diese Themen in der Lehre zu vertreten. Ich begann, mich für die Arbeit an der Hochschule zu interessieren. Dabei stellte ich jedoch fest, dass die Thematik damals wohl noch zu neu war. Ich wurde zwar von Berufungsausschüssen eingeladen. Wir kamen allerdings nicht überein, und mein Profil passte meist auch nicht. Im Grunde hatte ich meine Bemühungen bereits eingestellt, als ich in der ZEIT auf eine vakante Professur der Berufsakademie Mosbach aufmerksam wurde. Mir war bereits nach einem ersten Gespräch dort klar, dass wir ein gemeinsames Verständnis hatten, worum es bei der Lehre des E-Business und der Digitalisierung im Kern gehen sollte. Ich habe mich damals sehr gefreut, als sich Mosbach für mich entschieden hat.

Warum sollte man heute Ihr Fach studieren?

Die Digitalisierung wird derzeit sogar von der Politik thematisch wieder aufgegriffen. Allein in Deutschland werden Umsätze in der Größenordnung von ca. einer Billion Euro im B2B erwirtschaftet. Unsere Industriebetriebe sind also bereits mehr als in der digitalen Welt angekommen. Diese Entwicklungen gehören, meiner Meinung nach, auch weiterhin zu den größten Herausforderungen des Industriebetriebs im 21. Jahrhundert.

Was ist Ihnen im Bereich Lehre besonders wichtig?

Die Thematik, die ich in der Lehre zu vertreten habe, ist von großer Dynamik und Schnelllebigkeit geprägt. Neben der Aktualität der zu vermittelnden Inhalte sind mir allerdings auch die zugrundeliegenden Prinzipien wichtig. Das Denken in kundenbezogenen Prozessen und die von Porter formulierte Wettbewerbsstrategie der Verschlankung, Differenzierung und Segmentierung werden durch das Internet nicht außer Kraft gesetzt. Im Gegenteil, nur sie ermöglichen dem Industriebetrieb auch im digitalen Umfeld wie eh und je nachhaltige Vorteile und damit letztlich Prosperität.


Bitte vervollständigen Sie die Sätze:

BWL-Industrie ist für mich nach wie vor ... eine der nachhaltigsten Studienrichtungen der Gründer des dualen Studiums.

Die größte Veränderung für meinen Studiengang bis 2030 wird sein, ... mit der Lehre die Entwicklung unserer Industriebetriebe hin zur virtuellen Unternehmung und zum Serviceanbieter zu unterstützen.

Die Welt verbessern würde ich mit folgender Erfindung / wissenschaftlichen Erkenntnis: ... weg vom übersteigerten Verschlankungswahn, hin zu differenzierten Angeboten für profitable Kunden.

Mein Wunsch an meine Studierenden ist: Entdeckt an der DHBW eure spezifischen Interessen und Neigungen und legt den Fokus nicht nur auf einen notenmäßig guten Abschluss.


Persönliches:

Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Als Programmierer bei IBM im Werk Mainz

Wie haben Sie zu Studienzeiten gewohnt?

Bis zu meinem Diplom in meinem Elternhaus, danach in einer kleinen Altbauwohnung über den Dächern von Mainz

Gibt es eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler, die/der Sie besonders beeinflusst hat?

Früher Sir Karl Raimund Popper Heute Michael E. Porter

In welchem Land könnten Sie sich vorstellen zu leben?

In Österreich, genauer gesagt in Wien

Welche drei Dinge oder Personen würden Sie auf eine „einsame“ Insel mitnehmen?

Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares von Fernando Pessoa, meinen iMac, meine Espresso-Maschine (gibt es auf der Insel WLAN oder wenigstens Strom?)

Welche Berufe wären für Sie noch in Frage gekommen und warum?

Industriedesigner, wenn ich begabter gewesen wäre, Philosoph, wenn ich mutiger gewesen wäre, Psychologe, wenn ich neugieriger im Umgang mit mir selbst gewesen wäre – in jedem Fall wäre aus mir früher oder später ein Hochschullehrer an der DHBW geworden.

Mit welcher historischen Persönlichkeit würden Sie sich gerne einmal unterhalten?

Ohne Frage mit Walther Rathenau, zudem allerdings auch mit Heinrich Brüning

Welche Gabe / welches Talent würden Sie gerne besitzen?

Besser malen können. "Der Mensch - das Augenwesen - braucht das Bild", wie Leonardo da Vinci sagt.

Welchen Charakterzug an anderen Menschen schätzen Sie besonders?

Großzügigkeit

Welchen Charakterzug an anderen Menschen mögen Sie gar nicht?

Narzissmus

Was würden Sie als Ihre größte Stärke bezeichnen?

Immer noch gelegentlicher Ideenreichtum, wenn auch nachlassend.

Haben Sie eine (Lieblings-)beschäftigung jenseits von Forschung und Lehre?

Malender Dilettant

Welche Musikrichtung hören Sie und welche Interpreten mögen Sie? Spielen Sie ein Instrument? Bei welchen Gelegenheiten?

Nikolaus Harnoncourt und seine Werke in historischer Aufführungspraxis, ansonsten als Kind der 1970er-Jahre rettungslos der Rock-Musik verhaftet: James Marshall "Jimi" Hendrix, The Doors, Pink Floyd, neuerdings Joe Bonamassa

Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Das oben schon benannte Buch der Unruhe von Fernando Pessoa, Senecas: Von der Gelassenheit, Joseph Conrads: Herz der Finsternis und viele andere ...

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder eine Lieblingsfernsehserie?

Apocalypse Now des Regisseurs Francis Ford Coppola

Kochen Sie gerne? Nach welchen Rezepten?

Versuche mich immer wieder mal am Kochen und wenn ich etwas Essbares zustande bringe, dann aufgrund der Anregungen von Vincent Klink in dessen Fernsehauftritten.

Haben Sie ein Lieblingsgericht?

Linsen mit Saiten

Bevorzugen Sie eine bestimmte Küche?

(Fast) alles Schwäbische – lange im Stuttgarter Raum gelebt.

Was schätzen Sie an Mosbach?

Die historische Fachwerk-Architektur, das Ludwig, meine Freunde im griechischen Restaurant Artemis, den Weihnachtsmarkt, den Kunstverein, die vielen sympathischen und intelligenten, jungen Menschen, die Offenheit allem Fremden gegenüber, eine (sehr kleine) Weltstadt mit Herz.

Was fällt Ihnen im Vergleich zu Ihrer Heimatstadt besonders an Mosbach auf?

Mosbach liegt halt nicht am Rhein, hat keinen Dom und auch nur eine überschaubare Fastnacht – ich bin Mainzer.

Haben Sie schon einen Lieblingsplatz in Mosbach?

(A) Den Ludwigsplatz, (B) das alte Schlachthaus und unser (C)-Gebäude der DHBW in der Arnold-Janssen-Straße

In welchem Zusammenhang ist Ihnen Mosbach das erste Mal aufgefallen?

Als ich noch in Stuttgart lebte, fiel mir das Autokennzeichen MOS auf, das ich damals noch falsch interpretierte und mich wunderte, dass so viele Leute von der Mosel in Baden-Württemberg unterwegs waren.

Was ist für Sie Glück?

Glück ist die Fähigkeit zum Verzicht (Seneca)

Dein Link zum Studiengang: www.mosbach.dhbw.de/in