// Interview über Studienarbeit in der Fassadentechnik

Über mehr Grün in der Stadt

Jenny Kuhfs studiert im 6. Semester Bauingenieurwesen – Fassadentechnik. In ihrer Studienarbeit befasste sie sich mit einem Thema, das auch in der Stadtausstellung auf der Bundesgartenschau in Heilbronn besichtigt werden kann: die Fassadenbegrünung. Im Interview erzählt sie, was mehr Pflanzen an Hochhäusern für Städte und Menschen, aber auch für sie persönlich bedeuten.

DHBW Mosbach:

Das Thema Deiner Studienarbeit lautete „Ermittlung des ökonomischsten Fassadenbegrünungssystems für den deutschen Hochbau“. Was hast Du dabei untersucht?

Jenny Kuhfs:

Ich habe dabei untersucht, welche Fassadenbegrünungssysteme es gibt und welche im Hochbau aus technischer Sicht umgesetzt werden können. Hinzu kam, dass ermittelt werden sollte, welches System nach Betrachtung aller Faktoren am geeignetsten ist.

DHBW Mosbach:

Wie funktioniert Fassadenbegrünung?

Jenny Kuhfs:

Einfach ausgedrückt sind Fassadenbegrünungen alle vertikalen Flächen eines Gebäudes, die durch Pflanzen begrünt sind. Dachbegrünung und Fassadenbegrünung sind nicht dasselbe, denn die technischen Anforderungen sind unterschiedlich. Für den kontrollierten Bewuchs geeigneter oder speziell vorgerichteter Fassaden mit Pflanzen benötigt man spezielle Systeme, um eine Begrünung langfristig zu gewährleisten und technisch umzusetzen. An diesen Systemen können Pflanzen hochwachsen, das sogenannte Gerüstklettern. Ein anderes System ist die Modulbegrünung, bei der die Pflanzen in spezielle Paneele eingesetzt werden. Solche Systeme mit einigen Modifikationen schätze ich als am ehesten geeignet für eine Umsetzung im deutschen Hochbau ein.

DHBW Mosbach:

Wie bist Du bei Deiner Studienarbeit vorgegangen?

Jenny Kuhfs:

Zuerst habe ich Recherche betrieben und mich mit dem Thema vertraut gemacht. Praktisch geforscht habe ich im eigentlichen Sinn nicht. Allerdings habe ich meine Städteurlaube in Brüssel, London, Manchester und Dublin genutzt, um Informationen zu sammeln. Ich habe mir verschiedene Ausführungen von Begrünungen an öffentlichen Gebäuden angeschaut. Dabei konnte ich einige Bauschäden feststellen, verursacht durch entfernte Begrünung oder offengelegt durch Entfernen der Begrünung. Interessant waren auch Gebäude, die bereits länger begrünt waren. Dies half mir, die verschiedenen Systeme besser zu bewerten, und einige konnte ich bereits frühzeitig ausschließen.

DHBW Mosbach:

Warum hast Du Dich gerade für dieses Thema entschieden?

Jenny Kuhfs:

Die Fassadenbegrünung hat mich schon immer fasziniert. Denn sie verbindet viele mir wichtige Elemente: Sie hat eine positive Auswirkung in vielen Bereichen auf die Umwelt, sie ist optisch ansprechend und technisch anspruchsvoll. Außerdem finde ich, Pflanzen beeinflussen das Leben jedes Menschen positiv und fördern ein positives Mindset.

DHBW Mosbach:

Was bringt die Fassadenbegrünung denn der Umwelt?

Jenny Kuhfs:

Fassadenbegrünung erhöht die Artenvielfalt in Städten, senkt durch Schallabsorption die Lärmbelastung, reduziert den Wärmeeintrag in die Stadt und senkt in unmittelbarer Umgebung die Temperatur, filtert den Feinstaub und verbessert die Luftqualität. Somit können begrünte Systeme in Großstädten die ökologische Bilanz verbessern.

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DHBW Mosbach:

An Einfamilienhäusern sieht man viele grüne Fassaden. Was muss man beachten, wenn man auch Hochhäuser begrünen möchte?

Jenny Kuhfs:

Wenn man Hochhäuser begrünen möchte, gestaltet sich alles etwas komplizierter, denn die Richtlinien zum Beispiel für den Brandschutz werden strenger. Für Hochhäuser darf beispielsweise nur nicht-brennbares Material verwendet werden.

DHBW Mosbach:

Was nimmst Du für Dein Berufsleben mit?

Jenny Kuhfs:

Alle technischen Inhalte kann ich in mein Berufsleben mitnehmen, denn ich werde bei meinem Dualen Partner, der BAM, als Bauleiterin arbeiten und hoffentlich einmal die Gelegenheit bekommen, eine solche Fassade umsetzen. Ich habe aber auch gelernt, dass man eine Studienarbeit parallel zu Präsentationen, Klausuren und Vorlesungen fertigstellen kann. Ich kann jetzt besser einschätzen, wie viel Zeit welche Arbeit in Anspruch nimmt, und ich weiß, wo meine Belastungsgrenzen sind.

DHBW Mosbach:

Bleiben grüne Fassaden also ein Thema?

Jenny Kuhfs:

Grüne Fassade werden mich weiterhin begeisterten und ich möchte die technische Entwicklung verfolgen. Denn ich sehe in ihnen sehr viel Potenzial, um unseren Klimaproblemen entgegenzuwirken.

Begrünen Sie also später mal Ihr Familienheim?

Tatsächlich ist dies ein kleiner Wunschtraum von mir: ein Klinkerhaus mit einer teilbegrünten Fassade zu realisieren. Bis dahin steht allerdings noch einiges an.

Mehr Infos zum Studiengang: www.mosbach.dhbw.de/fs

DHBW Mosbach:

Und wie sieht es mit Deinem späteren Familienheim aus?

Jenny Kuhfs:

Tatsächlich ist dies ein kleiner Wunschtraum von mir: ein Klinkerhaus mit einer teilbegrünten Fassade zu realisieren. Bis dahin steht allerdings noch einiges an.

Jenny Kuhfs, Studentin im Bauingenieurwesen

Mehr zum Studienangebot Fassadentechnik: www.mosbach.dhbw.de/fs

Fassadenbegrünung erhöht die Artenvielfalt in Städten, senkt durch Schallabsorption die Lärmbelastung, reduziert den Wärmeeintrag in die Stadt und senkt in unmittelbarer Umgebung die Temperatur, filtert den Feinstaub und verbessert die Luftqualität. Somit können begrünte Systeme in Großstädten die ökologische Bilanz verbessern.